Allgemein

Worum geht’s bei der Freimaurerei?

Es gibt so viele Definitionen von der Freimaurerei, wie es Freimaurer gibt, denn Freimaurerei ist vor allem erst einmal ein persönliches Erlebnis.  Dem einen ist ein geselliges Beisammensein im Kreise netter Leute, dem anderen ist es ein Anlass, sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinander zu setzen und sich menschlich weiterzuentwickeln, wieder andere suchen  philosophisch-esoterische Anregungen,  sich mit der Welt und den ewigen Dingen zu beschäftigen. Entscheidend ist, dass jeder den Zugang, den der andere sucht und findet, respektiert und nie in Frage stellen wird. Denn gerade aus dieser Verschiedenheit der Charaktere und Zugänge zur Maurerei entfaltet die Maurerei ihren Reiz.

 

Was uns wichtig ist. 

Im Mittelpunkt der Freimaurerei steht das Streben nach Toleranz, Humanität und der freien Entwicklung einer „sittlichen“ Persönlichkeit.  Dabei bauen wir auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf. Und wir versuchen, dass die Dinge, die wir in unserem alltäglichen Leben und Beruf tun, von Weisheit, Kraft und Schönheit getragen sind.  Das sind alles wuchtige Begriffe, und tatsächlich hat jeder eine andere Vorstellung davon. Dennoch erzeugen wir mit diesen grundlegenden Dingen eine sehr schöne gemeinsame Grundlage. In der praktischen Anwendung heißt das für uns, dass politische Überzeugungen, gesellschaftliche Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und Religion keine Rolle bei uns spielen. Wir sind davon überzeugt, dass es bei aller Unterschiedlichkeiten und individuellen Ausprägungen einen allen Menschen gemeinsamen Kern und ein gemeinsamen ideelles Ziel gibt, das uns antreibt und miteinander verbindet. 

 

Der geheime Bund

Um das mal klar zu sagen: Auch wenn wir gelegentlich selbst darüber scherzen, sind wir kein Geheimbund, sondern bestenfalls eine diskrete Gesellschaft. Wir praktizieren weniger das heute so verbreitete „Tue Gutes und rede darüber“, sondern sind eher dem alten „Tue Gutes und schweige diskret davon“  verpflichtet. Wir Reden nicht – wie man dies heutzutage so oft in anderen Lebensbereichen erlebt - um des Redens willen, sondern uns ist der persönliche Austausch und das Miteinander unter Freunden wichtiger als die öffentliche Attitude. (Und Übrigens bringt es auch Spaß, mal so ein bisschen geheimnisvoll zu tun… )

 

 Freimaurerei und Verschwörungstheorien

Es liegt in der Natur der Sache (und anscheinend auch des Menschen), dass über etwas, das seit Jahrhunderten besteht, Gerede und Gerüchte entstehen.  Obwohl 99% aller Freimaurer ganz normale Durchschnittsmenschen sind und waren, gab es auch Staatenlenker und bedeutende Persönlichkeiten darunter – genauso wie Scharlatane, Blender und Phantasten.  Und so, wie über die einen  geredet worden ist, haben die anderen die Freimauerei genutzt, um von sich reden zu machen. Natürlich gibt die von Freimaurern gepflegte Diskretion über die Vorgänge in der Loge ja auch einen fruchtbaren Boden für allerhand bunte Spekulationen ab – und verhindert zugleich eine vielleicht angemessene Verteidigungshaltung gegen solches Gerede. Das ist heute – im Zeitalter des alles wissenden und noch mehr ahnenden Internets – nicht anders als früher, nur dass die Geschwindigkeit , in der sich Spekulationen verbreitet haben, zugenommen haben.

Dabei sprießen die Verschwörungstheorien über die Freimauer desto üppiger, weil – das ist unbestritten - viele Spekulation auf einen mehr oder weniger zutreffenden Kern zurückgehen. So lenken die Freimaurer zwar nicht die Welt, aber sind diejenigen, denen man zuspricht, dies getan zu haben, oft Freimauer gewesen oder haben mit Freimaurerischen Gedanken sympathisiert.

 

 

Der Tempel und das Ritual

Eine besondere Rolle bei uns spielt der „Tempel“, in dem wir unsere „Rituale“ abhalten und unsere „Arbeit“ verrichten. Der Tempel ist eine eigene kleine Welt, und wir versuchen, die andere, große und laute Welt draußen vor der Tür zu lassen.

Damit uns diese Trennung leichter fällt und bewusster wird, tragen wir im Tempel  keine Alltagskleidung, achten darauf, dass die Türen beim Ritual geschlossen sind und sprechen „draußen“ nicht über das, was wir im Tempel erleben.  Das hat für außen stehende oft etwas Geheimnisvolles und Kryptisches. Es ist ja aber eigentlich völlig normal, dass man persönliche Erlebnisse nicht herausposaunt. Und schon gar nicht, wenn man weiß, dass dem Gegenüber Informationen fehlen, um sie nachvollziehen zu können. Unser Tempel ist ein festlicher Raum, der nach dem Vorbild mittelalterlicher Bauhütten eingerichtet ist; unser Ritual ist eine Art würdevoller Meditation, die auf einem sehr alten, überlieferten Ablauf basiert; wir „arbeiten“ dabei mit symbolischen Werkzeugen in Form einer inneren Reflektion und hören meist einen Vortrag  mit einem die Freimaurerei betreffenden Thema. Und manchmal lauschen wir der Musik.

 

 

Weisheit statt Wissen

Neben den sogenannten Tempelarbeiten halten wir regelmäßig Gesprächsabende ab, bei denen wir uns zu verschiedenen Themen austauschen; oft drehen sich diese Themen um die Freimaurerei, oft auch um die großen Fragen der Menschheit und des Lebens, nie reden wir über religiöse Fragen und Politik, auch wenn unsere Gespräche oft einen spirituellen Kern haben und aktuelle tagespolitische Wirklichkeiten hineinspielen.  Bei unseren Gesprächen geht es nicht darum, wissenschaftliche fundierte Beiträge oder profunde Statements abzuliefern, sondern es geht darum, zuzuhören, aus den verschiedenen Lebenserfahrungen zu schöpfen und jeweiligen Sichtweisen kennen zu lernen – unabhängig von der tatsächlichen Substanz.  Es geht, kurz gesagt, darum, die Weisheit, die jeder für sich findet, nachzuvollziehen, und nicht darum, Wissen abzuschöpfen.

 

Sekte, Religionsgemeinschaft,  Serviceclub, Mysterienbund oder was?

Wir sind keine Sekte und keine Religionsgemeinschaft, wir halten keine Gottesdienste ab oder beten miteinander. Unsere Bindung zueinander ist die von Leuten, die in einer gemeinsamen Weltanschauung miteinander als Freunde und Gleichgesinnte umgehen.  Das geht aber nicht soweit, dass wir uns in eine wie auch immer geartete Abhängigkeit zueinander oder zur Loge begeben würden. Es gibt auch – von einem Jahresbeitrag abgesehen - keine finanziellen Verpflichtungen oder größeren Folgekosten.  Auch wird niemand gezwungen, von sich etwas Persönliches preis zu geben oder gar zu dokumentieren.

Wir sind auch kein Serviceclub wie etwa Lions, Rotary, Kiwanis oder Round Table. Während Serviceclubs eher im wohltätigen Sinne gesellschaftlich nach außen wirkend auftreten, steht bei uns die persönliche, innere Entwicklung im Vordergrund.  Übrigens ist der Benefiz-Gedanke den Freimauern nicht fremd, wird aber meist – wie vieles andere in unserem Tun – diskret und in den eigenen Reihen realisiert. Im Übrigen spricht nichts gegen eine gleichzeitige Mitwirkung bei Freimaurern und Serviceclubs, - es sei denn die Zeit, die jeweils aufzuwenden ist.

Manche sagen, dass die Freimaurerei der letzte und älteste bestehende (bekannte) Mysterienbund sei. Das lässt sich ebenso wenig belegen, wie es sich widerlegen lässt.  Zwar gibt es einzelne Bezüge der Freimaurerei  zu den alten antiken Mysterienbünden, und sind über die Jahrhunderte unterschiedlichste philosophische, gesellschaftliche, ständische, religiöse und esoterische Strömungen in die Freimaurerei eingeflossen, teilweise darin verblieben und teilweise wieder aufgegeben worden, so dass eine eigentümliche Verschmelzung unterschiedlichster geistesgeschichtlicher Traditionen  aus verschiedenen Lebensbereichen entstanden ist. Aber es gibt keine kontinuierliche steuernde Institution, die über die Jahrhunderte ununterbrochen gewirkt hätte.  Man könnte sagen: Freimaurer haben in jeder Phase ihres Bestehens wesentliche Strömungen Ihrer Zeit aufgegriffen und das beste davon für sich behalten und  - für sich persönlich – weiter entwickelt.

 

Die Hierachie

Es gibt bei uns keine Hierachie – wir begegnen uns auf gleicher Ebene, egal wie lange jemand Freimaurer ist, welchen beruflichen oder gesellschaftlichen Rang er einnimmt oder welchen Bildungsabschluss er hat. Das Wort Hierachie, das ja soviel wie „heilige Ordnung“ bedeutet, spielt aber insofern eine Rolle bei uns, als wir die natürliche (= heilige) Stufung der Erfahrungen und Erkenntnisse würdigen. Jemand, der gerade erst ein paar Tage Freimaurer ist, hat noch nicht so viele Erfahrungen, wie jemand, der sich seit Jahrzehnten damit beschäftigt. Deswegen wird man bei uns erst Lehrling, dann nach einiger Zeit Geselle und schließlich Meister.  An dieser Gradeinteilung hängen keine Pflichten oder Vorrechte, die Lehrlinge müssen also nicht den Meistern dienen oder ähnliches.  Und im Übrigen hat mancher Lehrling schon seinen Meister an Erkenntnistiefe überflügelt.

Der Chef in der Loge ist der „Meister vom Stuhl“, er leitet die Zusammenkünfte und regelt gemeinsam mit seinen „Beamten“ (=Vorstandsmitgliedern) das Clubleben. „Meister vom Stuhl“ klingt spektakulär, der Begriff verliert seine Besonderheit, wenn man sich vergegenwärtigt, dass noch heute im englisch-amerikanischen Raum die Vorsitzenden einer Gesellschaft oder eines Vereins als „Chairman“ bezeichnet werden. 

 

Der Zeitaufwand

Wir treffen uns in der Regel einmal in der Woche, -  meist zu brüderlichen Gesprächen. Etwa einmal im Monat findet eine Tempelarbeit statt. Ein paar Mal im Jahr finden Sonntagsgespräche statt, einmal jährlich verbringt, wer mag, zu einem gemeinsamen Klausurwochenende mit Gesprächen und Vorträgen. Es gibt keine Präsenzpflicht bei unseren Treffen, aber eine gewisse Ernsthaftigkeit des Engagements wird vorausgesetzt.


 

Freimaurer werden

Es ist leicht, Freimaurer zu werden. Aber es ist nicht immer leicht, die Tür zum Eingang zur Freimaurerei finden, da muss man schon mal ein bisschen auf die Suche gehen.  Das klingt für den Außenstehenden rätselhaft, wer einmal als Freimaurer aufgenommen worden ist, weiß, wovon die Rede ist. Wie in allen Dingen, die ernsthaft unternommen sein wollen, ist ein gewisser Ehrgeiz in Verbindung mit Neugierde von Vorteil.

Es ist jedenfalls ein Gerücht, dass man nur Freimaurer werden kann, indem man von jemandem, der einer ist, dazu aufgefordert wird. Am einfachsten ist es, wenn man die offenen Gästeabende oder Sonntagsgespräche besucht (Termine hier auf dieser Seite) und wenn man auf diesen Wege versucht,  für sich selbst zu herauszufinden, ob man Freimaurer werden möchte. Recht schnell ergeben sich auf den Gästeabenden auch Kontakte zu Freimaurern, von denen man mehr erfährt.

So oder so ist es von Vorteil, sich vor dem Eintritt in eine Loge in der Literatur oder im Internet zu informieren,  ob es das Richtige ist. Aber Vorsicht: Es geistert eine Menge schlechter und falscher Literatur herum, erst recht gilt das für das Internet. Eine Liste empfehlenswerter Literatur und Weblinks finden sich auf dieser Seite.

Übrigens kann so ziemlich jeder Mann – und in gemischten Logen auch jede Frau  - Freimaurer werden, man muss entgegen hartnäckigen Gerüchten weder wohlhabend noch einflussreich oder gar bedeutsam sein.  In der alten Tradition ist gesagt, dass „freie Männer von gutem Ruf“  Freimaurer werden können. Heutzutage deuten wir das so, dass man reif im Denken und frei von Vorurteilen sein soll, und dass man aufrecht im Leben seinen Mann steht.

 

 

"Die Freimaurerei soll etwas in Ihren Mitgliedern bewirken, 
was weder der Staat noch die Kirche bewirken kann, 
und was doch unerlässlich notwendig ist,
um den Menschen in der Gesellschaft und im Staat moralisch zu vollenden."

Friedrich Ludwig Schröder (1744 - 1816)