Worum geht´s in der Freimaurerei?

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Es gibt so viele Definitionen von der Freimaurerei, wie es Freimaurer gibt, denn Freimaurerei ist vor allem erst einmal ein persönliches Erlebnis.  Dem einen ist ein geselliges Beisammensein im Kreise netter Leute, dem anderen ist es ein Anlass, sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinander zu setzen und sich menschlich weiterzuentwickeln, wieder andere suchen  philosophisch-esoterische Anregungen,  sich mit der Welt und den ewigen Dingen zu beschäftigen. Entscheidend ist, dass jeder den Zugang, den der andere sucht und findet, respektiert und nie in Frage stellen wird. Denn gerade aus dieser Verschiedenheit der Charaktere und Zugänge zur Maurerei entfaltet die Maurerei ihren Reiz

Hierachie

Die Hierachie

Es gibt bei uns keine Hierachie – wir begegnen uns auf gleicher Ebene, egal wie lange jemand Freimaurer ist, welchen beruflichen oder gesellschaftlichen Rang er einnimmt oder welchen Bildungsabschluss er hat. Das Wort Hierachie, das ja soviel wie „heilige Ordnung“ bedeutet, spielt aber insofern eine Rolle bei uns, als wir die natürliche (= heilige) Stufung der Erfahrungen und Erkenntnisse würdigen. Jemand, der gerade erst ein paar Tage Freimaurer ist, hat noch nicht so viele Erfahrungen, wie jemand, der sich seit Jahrzehnten damit beschäftigt. Deswegen wird man bei uns erst Lehrling, dann nach einiger Zeit Geselle und schließlich Meister.  An dieser Gradeinteilung hängen keine Pflichten oder Vorrechte, die Lehrlinge müssen also nicht den Meistern dienen oder ähnliches.  Und im Übrigen hat mancher Lehrling schon seinen Meister an Erkenntnistiefe überflügelt.

 

Der Chef in der Loge ist der „Meister vom Stuhl“, er leitet die Zusammenkünfte und regelt gemeinsam mit seinen „Beamten“ (=Vorstandsmitgliedern) das Clubleben. „Meister vom Stuhl“ klingt spektakulär, der Begriff verliert seine Skurrilität, wenn man sich vergegenwärtigt, dass noch heute im englisch-amerikanischen Raum die Vorsitzenden einer Gesellschaft oder eines Vereins als „Chairman“ bezeichnet werden. 

Freimaurer in Hildesheim

Die Hildesheimer Freimaurerloge gehört zu den alten Logen in Deutschland. Gegründet als „Pforte zur Ewigkeit“ im Jahr 1762, trägt sie die Matrikelnummer 46, war also die 46. Loge, die das sogenannte Konstitutionspatent erhielt, mithin die Genehmigung, als reguläre Loge arbeiten  zu dürfen. Entsprechend konnte die Loge im Jahr 2012 unter großer öffentlicher Teilnahme ihr 250.-jähriges Jubiläum begehen.  Alljährlich wird um den 24.11. herum das Stiftungsfest der Loge gefeiert.

 

 Die ersten Hildesheimer, die als „geschickte, kunsterfahrene, redliche und sehr ehrwürdige Brüder“ aufgenommen wurden, waren August Wilhelm Meyer, Franz Anton von Weber, G.J. von Hermanni, Johann Heinrich Hofmeister, Edmund Goffaux, David Friedrich Schröter, Johann Christian Schubart, Friedrich Erich Meyer, Franz von Fumetti und Maximilian Joachim Reuter.  Der erste Meister vom Stuhl war J.S. Leonardi, der sein Amt aber aus beruflichen Gründen bald an F.L. Goffaux abgeben musste.

 

Ihnen folgten in einer wechselhaften Geschichte über die Jahre viele hunderte, wohl angesehene Bürger, nicht wenige davon Personen des öffentlichen Lebens.  Im Jahre 1764 hatte die junge Loge schon 40 Mitglieder, zum 50. Jährigen Gründungsjubiläum kannte Hildesheim 275 Freimaurer, eine Zahl die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts etwa konstant blieb. Nicht selten waren Gäste aus Hannover und Braunschweig zu Besuch in der Loge oder als offizielle Mitglieder eingetragen.  Insgesamt gab es im Laufe der 250-jährigen Geschichte schätzungsweise rund 1.500 in Hildesheim registrierte Freimaurer.

Schon bald nach Gründung teilte sich die Loge zur Ewigkeit in die Logen „Friedrich zum Tempel“ und „Ferdinand zur gekrönten Säule“ (1775). 1786 kam die „Pforte zur Ewigkeit“ hinzu, 1791 der „Stille Tempel“, die jeweils Schwesterlogen „Zur Unsterblichkeit (1809) und „Zum neuen Tempel“ (1803)  unterhielten. Diese Vielfalt war weniger durch die Anzahl der Freimaurer, sondern eher durch die im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbreiteten unterschiedlichen Lehrarten der Freimaurerei bedingt. So wurde in Hildesheim über die Jahre nach allen bekannten Freimaurerischen Systemen gearbeitet, von altenglischen Ritual über die „Strikte Observanz“  bis zur Lehrart der Alten und Angenommenen Freimaurer Deutschlands, die noch heute praktiziert wird.

1844 entstand schließlich aus einer Fusion aller Logen  die „Pforte zum Tempel des Lichts“, die bis zum heutigen Tage – nur unterbrochen durch die Zeit des Verbots unten den Nationalsozialisten - unter diesem Namen die Freimaurerei in Hildesheim repräsentiert. In ihrem Logenhaus in der Kesslerstraße residiert die Loge seit 1805 in der Nachfolge der Loge „Zum stillen Tempel“.  Das Gedenken an die Ursprungsloge wird aufrechterhalten, indem der „stille Tempel“ formal als ruhende Loge am Leben erhalten wird. Derzeit gibt es rund 40 Freimaurer in Hildesheim. Die Tendenz ist wieder steigend.

Bekannte Hildesheimer Freimaurer waren:

  • Carl Friedrich Dyes, Ingenieur
  • Ernst Ehrlicher, Oberbürgermeister
  • G. Götting, Anwalt
  • R.A..D. von Harlessem und Sohn,
  • Ph.A. Homeyer, Amtassessor
  • Adolph Jost, Fabrikant
  • K. Michelsen
  • Georg Friedrich Menge
  • B.G. Schneidler, Fabrikant
  • Heinrich Peine, Tapetenfabrikant
  • Dietmar Gerloff, Präsident des Landgerichts Hildesheim
  • Mehrere Mitglieder der Familien Brandis, Gerstenberg Pelizaeus, Hinüber, Schwemann, Zeppenfeld

(Diese Darstellung basiert auf den Ausarbeitungen „Freimaurer in Hildesheim, 1762 – 1997“ von Egon Perkuhn, Gerstenberg Verlag 1997.)  

 

 

 Immer mal wieder öffnet die Hildesheimer Loge ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Hier anlässlich des Hoffestes 2012